Was ist Funktionaloptometrie?
Die Funktionaloptometrie (Verhaltensoptometrie) beschäftigt sich mit nicht pathologischen Funktionsstörungen.
Die visuelle Funktionsstörung ist im allgemeinen aufgrund eines gestörten Sehverhaltens, infolge einer nicht optimalen visuellen Fähigkeit (übersprungene oder durch z.B. Krankheit oder emotionalen Stress gestörte Stufen in der kindlichen Entwicklung), oder permanentem „Sehstress“ (zuviel Nah oder Computerarbeit, schlechte Beleuchtung ect.) aufgetreten.
Oftmals sind auch genetische Veranlagungen (z.B. Kurzsichtigkeit) gepaart mit „Nahstress“ die Ursache.
Die Folgen sind dann häufig eine gestörte visuelle Wahrnehmung und deren Verarbeitung, sowie Befindlichkeitsstörungen unterschiedlichster Art.
Auch entstehen Fehlsichtigkeiten häufig erst aufgrund einer gestörten visuellen Entwicklung, oder nachhaltig schlechtem visuellen Verhalten (siehe visuelle Hygiene).
Am Anfang steht eine genaue Analyse der funktionellen Sehprobleme. Dabei ist
eine ganzheitliche Betrachtungsweise der visuellen und allgemeinen Situation,
welche durch spezielle Funktionsteste, einer gründlichen Erfragung der
Vorgeschichte und der Gegebenheiten erfolgt, sehr wichtig. Ein spezielles
Sehproblem ist immer nur Teil des Gesamtsystems, deshalb muss immer der Mensch
als Ganzes im Mittelpunkt der Betrachtung stehen.
Die Analyse ermöglicht dem Optometristen erst eine Beurteilung, ob es sich bei den bestehenden Problemen um ein funktionell-visuelles Problem handelt, und mit welcher Form von visuellem Training an dieser Stelle angesetzt werden kann.
Die Funktionaloptometrie geht zurück auf einen amerikanischen Augenarzt in den 1920er Jahren. Dr. Skeffington erkannte, das Sehen mehr bedeutet als nur eine Sehschärfe von Visus 1,0 (Sehschärfe = 100%) zu haben. Er differenzierte Sehen in seinen Grundfunktionen:
Augenbewegungen (gleitende Augenfolgebewegungen, sowie exakte Blicksprünge, sind insbesondere beim Lese-Schreib-Lernprozess von enormer Bedeutung)
Vergenzen (die Fähigkeit der Fixation auf eine bestimmte Objektentfernung)
Akkommodationen (scharf stellen auf ein Objekt, wie der Focus bei der Fotokamera)
Visualisation (die Fähigkeit sich ein Bild von etwas zu machen, eine bildliche Vorstellung von etwas haben...)

Diese vier Grundfunktionen des Sehens greifen ineinander, wie ein Zahnrad ins andere. Wenn Störungen in einem dieser Bereiche vorliegen, kommt es auch unweigerlich zu Störungen in anderen Bereichen. Die Folge sind schlechte visuelle Sinnverarbeitung/Sinnwiedergabe, und/oder ständig steigende Fehlsichtigkeiten, oder ein genereller "visueller Dyskomfort" (Augenbrennen; ständiges Augenreiben, häufiges Zusammenkneifen oder Auseinanderziehen der Augen, Lichtempfindlichkeit, schlechte Nachtsehfähigkeit u.v.m..
Oftmals sind auch Verhaltensauffälligkeiten zu beobachten: Aggressivität, Lernverzögerungen im Lese-Rechtschreibbereich oder bei mathematischen Lernprozessen können auftreten. Oftmals reagieren Kinder durch signifikantes Kampf- oder Fluchtverhalten (Canon et al.) Oftmals wird Kindern der Stempel ADS oder ADHS mit entsprechender medikamentöser Behandlung aufgedrückt, ohne dass es eine detaillierte Abklärung der visuellen Funktionen gegeben hat!!! Und es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen: eine Prüfung der visuellen Funktionen geht über Sehschärfenprüfung bei weitem hinaus. Eine Frechheit gegenüber dieser Kinder ist es ebenfalls, wenn die Augen als gesund befunden wurden, Eltern zu erklären die Augenmuskel ihres Kindes seien "stark" genug... Funktionaloptometrie ist kein "Augenmuskeltraining" wie manche Fachdisziplinen fälschlicher Weise annehmen.
Burn-Out-Syndrome sind häufig auch eine Folge völliger visueller Überforderung (stundenlange Nahtätigkeit gepaart mit hohem Leistungsdruck oder Stress).
Durch verschiedenste Meßmethoden (Funktionsteste, 21Punkte-Messung OEP) kann der Optometrist Störungen innerhalb der visuellen Fähigkeiten messen und analysieren. Nun besteht die Möglichkeit durch ein gezieltes Visualtraining, die Fähigkeit neu zu erlernen, gezielt aufzubauen oder zu verbessern, so dass sich ein stabiles "visuelles System" nachhaltig integrieren kann.
Die Probleme verschwinden dann nachhaltig. Teilweise verschwinden dann auch Fehlsichtigkeiten. Es ist allerdings nicht das erklärte Ziel Brillenträgern die Brille "wegzutrainieren".
In der Funktionaloptometrie geht es um die Verbesserung des visuellen Komforts, der visuellen Sinnerfassung, der visuell räumlichen Wahrnehmung und der damit gekoppelten Sinnwiedergabe.